Wieso?
Ist ja nicht so, dass digitale Güter per Knopfdruck entstehen. Der Wert einer Sache ist mMn gekoppelt an die Aufwendung von Ressourcen, um etwas zu produzieren.
Davon ab, ist alles vergänglich. Viele alte Games und Konsolen, die man physisch erworben hat, sind auch dem physikalischen Verfall unterlegen. Nichts hält ewig.
Wahrscheinlich halten digitale Lizenzen noch viel länger.
Aber nur weil es eine minimale Chance besteht, dass man irgendwann keinen Zugriff mehr auf ein digitales Gut hat, rechtfertigt man die unrechtmäßige Aneignung auf dubiosen Seiten? Man verletzt damit ganz klar die Rechte der Produzierenden.
Nichtsdestotrotz bleiben ja einem Ausnahmen wie GoG um Games wirklich zu besitzen. Inwiefern macht dann das Argument für Raubkopien noch Sinn?
Ich bekomme aber keinen wirklichen Gegenwert mehr. Das was sich halt fundamental ändert, ich bezahle für einen Service statt ein Produkt und das halte ich in Bezug auf ein unendlich verfügbares Produkt für falsch. Es ist nicht mal so, dass ich dir widerspreche, aber für mich gibt es auf Grund des Verhaltens der Publisher an dieser Stelle kein falsch und richtig. 400€ für eine CE, davon kommt kein Cent bei den Leuten an, die das Spiel gemacht haben, das landet alles im Gewinnbeutel der Investoren. Wo verletze ich also die Rechte der Produzierenden? Ja rechtlich, aber emotional, moralisch? Sehe ich nicht.
Die Chance ist doch gar nicht so minimal. Neben den großen Stores für 3DS, Wii, WiiU, PS Vita, PS3 uvm. sind historisch betrachtet für den US Markt (weltweit kenne ich keine Untersuchungen dazu) ~80% der Spiele bis PS2 Generation, wenn ich mich richtig erinnere, nicht mehr über einen Markt abseits des Gebrauchtmarktes oder eben Raubkopien verfügbar. Indem Sinne ist raubkopieren sogar essentiell für Spieleerhalt, weil Publisher sich einen Scheiß drum kehren und GoG auch nur in dem Rahmen arbeiten können, indem sie es tun.
Wenn wir uns nur mal die
Liste von StopKillingGames anschauen, sehen wir, wie groß das Problem bei Onlinetiteln ist.
Sony hat dieses Jahr zig Filme aus ihrem Streamingservice entfernt, die nun nicht mehr legal verfügbar sind. Das ist schon ein Kampf um Besitz, Kulturgut und Deutungshoheit, wenn man es ganz hoch stilisieren will.
Da kommen wir zu dem Punkt:
Ganz ehrlich, würdest du deine Schüler in der Klasse zum illegalen Download von Software ermutigen?
Ich bin niemand der dir erzählt das Computerspiele Kunst sind, aber sie sind eindeutig Kulturgut. Kulturelle Teilhabe ist essentieller Bestandteil unserer Gesellschaft. Würde ich an einer Schule arbeiten, wo es den Schüler:innen nicht möglich wäre Spiele zu kaufen oder in der Bibliothek zu leihen, auf Grund ihrer finanziellen Situation oder mangelnder Verfügbarkeit und sie hätten aber trotzdem einen PC...ich würde denen zumindest erzählen, dass das etwas ist was man tun kann, das es Konsequenzen haben kann, nicht auf anderes übertragbar ist, aber durchaus valide Punkte dafür existieren, warum es moralisch zu rechtfertigen ist. Ganz genau wie bei Filmen und Serien btw. Für mich wirkt es so als ob man überall aus kultureller Teilhabe rausgepreist wird und das hat Auswirkungen auf Gesellschaft.
Deswegen bleibe ich bei meinem Statement aus dem ersten Post: Wer kann sollte kaufen, wer nicht kann, go for it. Wer kann und nicht mag, keine Probleme mit, aber selbst würde ich es momentan nicht tun. Ich bin ganz gut im boykottieren.
Also kann ich einfach am 19. November in nächsten MM/Saturn gehen, mir die GTA Hülle mit Code einstecken und ohne zu zahlen an der Kasse vorbei. Digitale Code ist ja kein Besitz auf Dauer (wobei der Zeitraum nicht jetzt schon festgelegt ist) und Rockstar ja genug Kohle hat und MM/Saturn von einem Teil nicht pleite geht. Wenn es mir dann nach 1-2 Wochen gefällt gehe ich zurück zur Kasse und zahl es im Nachhinein dennoch.
So funktioniert Wirtschaft nicht auch wenn man Publisher und Ladenpreis als zu hoch ansieht und den Gegenwert den man bekommt.
Für mich liegt das Problem hier eher, dass ich einen Code physisch erwerben kann. In dem Falle würde ich außerdem MM/ Saturn schaden, weil Rockstar sein Geld schon bekommen hat. Da gibt es einen Unterschied für mich, effektiv stehle ich ja etwas physisches aus einem Laden. Aber da steckt für mich ja das viel größere Problem hinter, dass wir der Möglichkeit beraubt werden zu warten, dass das Spiel gebraucht günstiger wird. Momentan haben wir Preisdruck durch den Gebrauchtmarkt, aber ich bin echt gespannt, ob wir Sales und ähnliches noch erleben auf Konsolen, wenn alles digital ist.
BTW ist der Erwerb des digitalen Codes in einem lokalen Geschäft für mich in Bezug auf GTA VI immer noch der momentan beste Weg, da verdient immerhin jemand was dran. Bin mir trotzdem noch nicht sicher, ob ich es mir kaufen werde.
Warum Verzicht und damit richtiges Zeichen setzen dass man es nicht braucht wenn die Konditionen nicht stimmen so schwer? Wir reden hier nicht von Grundnahungsmittel die man zum Überleben braucht. Je mehr man die Piratengruppe immer größer wird (nur weil sie klein erscheint wächst sie ja dennoch wenn jeder das Recht für sich beansprucht) desto mehr werden die Firmen sich abschotten und Maßnahmen ergreifen. Medien wandeln gab es schon immer wie auch Technik die immer abhängiger wird. Früher konntest billig Auto aufmotzen und Heute kostet dich "Glühbirnenwechsel bzw LED Tausch" einen ganzen Scheinwerfer für mehrere Hundert wenn nicht gar Tausende Euro. Genau wie Chips immer mehr verlötet werden man im PC Bereich immer weniger wechseln darf. Hier da wird mal wieder entgegengewirkt aber dann muss ich halt die Anbieter unterstützen die es halt als Alternative anbieten. Auch wenn die Auswahl dann geringer ist.
Da würde ich bedingt widersprechen. Wie schon ausgeführt sind Computerspiele Kulturgut und kulturelle Teilhabe ist essentiell. Nicht umsonst gilt der Zugang zum Internet mittlerweile als Grundrecht, weil es essentiell der Teilhabe an Gesellschaft dient. In dem Bereich ordne ich Spiele ebenfalls ein.
An der Stelle möchte ich auch nochmal sagen, ich boykottiere sau viele Studios und werde mir keine neue PlayStation holen, wenn sich da nicht noch was ändert, aber das kann man einfach nicht von allen erwarten. Weil sich auch nicht alle diese Gedanken machen. Der Großteil der Leute weiß einfach nicht, was für negative Auswirkungen gewisse Dinge haben oder haben können. Da ist ein Widerstand, sei er durch raubkopieren oder boykottieren sicherlich nicht schlecht.
Wenn Firmen sich dann mehr abschotten, ziehen sie aber die falschen Schlüsse und außerdem machen sie das ohnehin auch ohne einen wachsenden Schwarzmarkt. Ich erinnere mich nicht daran, dass wir uns alle illegal Autos zusammengebaut haben oder so. Autos sind einfach so geworden, Abomodelle für Sitzheizungen und und und. Alles wegen Investoren und der Gier nach Gewinnmaximierung. Unternehmen die es anders machen, werden durchaus dafür belohnt, aber noch von zu wenigen, weil das Problem nicht erkannt wird von großen Teilen der Bevölkerung.
BTW im PC/ Smartphone Bereich hat es doch übrigens was gebracht, wir erleben mehr und mehr Hersteller, die sich bemühen Reparatur freundlichere Produkte zu entwickeln. Aber nicht wegen Konsumentenverhalten, weil die hatten ja kaum eine Wahl mehr, sondern Regulierungen. Das brauchen wir auch bei Spielen. Deswegen war und ist Stop Killing Games ein erster wichtiger Schritt.